Überraschung aus Genf
Tudor und Mondphase – das passte bisher nicht zusammen. Black Bay, Pelagos, Ranger – das sind die Namen, die man mit Tudor verbindet. Sportuhren, Heritage-Design, Kenissi-Manufakturwerke. Und jetzt kommt die 1926 Luna. Eine klassische Dresswatch mit Mondphasenanzeige. Tudors erste überhaupt.
September 2025, pünktlich zum chinesischen Mondfest. Das ist kein Zufall.
39mm und drei Zifferblätter
Die Luna ist 39mm groß, 10,1mm hoch. Poliertes Edelstahlgehäuse, Saphirglas, verschraubte Krone mit Tudor-Shield. 100 Meter wasserdicht – auch wenn das bei einer Dresswatch niemand braucht.
Drei Zifferblätter stehen zur Wahl: Schwarz mit goldenen Akzenten, Blau mit silbernen Details, Champagner mit schwarzen Elementen. Alle mit Sonnenschliff, alle mit den typischen applizierten Indexen der 1926-Kollektion. Die Mondphase sitzt bei 6 Uhr, klassisch positioniert. Das Datum bei 3 Uhr.
Die Zeiger sind schwertförmig, ohne Leuchtmasse. Das macht Sinn – wer nachts die Mondphase ablesen will, hat andere Prioritäten.
Sellita statt Kenissi
Hier wird es interessant. Fast zehn Jahre lang hat Tudor auf Kenissi-Manufakturwerke gesetzt. Die Luna bricht mit dieser Tradition. Drin steckt ein Sellita SW280-1, modifiziert nach Tudor-Standards und auf Chronometer-Präzision eingestellt (-4/+6 Sekunden pro Tag), allerdings ohne COSC-Zertifizierung.
26 Steine, 4Hz Frequenz, 41 Stunden Gangreserve. Automatik. Solide, bewährt, zuverlässig – aber kein Manufakturwerk.
Warum dieser Schritt zurück? Vermutlich eine Kostenfrage. Die Luna soll preislich attraktiv bleiben, und ein Sellita-Werk mit Mondphase ist günstiger zu produzieren als eine komplette Kenissi-Neuentwicklung.
Wartung und Garantie
Interessant: Trotz Sellita-Werk gibt Tudor 5 Jahre Garantie und 10-Jahres-Wartungsintervalle. Das ist selbstbewusst. Tudor vertraut dem Werk – oder hat es so modifiziert, dass es diesen Standards entspricht.
Das siebenreihige Armband
Das Armband ist das gleiche wie bei der Standard-1926: Siebenreihig, mit satinierten äußeren und polierten mittleren Gliedern. Faltschließe mit Sicherheitsverschluss. 21mm Stegbreite – ungewöhnlich, aber es funktioniert auch gut auf NATO-Straps.

Für wen ist diese Uhr?
Die Luna ist nicht für Black Bay-Fans. Sie ist nicht für Leute, die Sport-Uhren wollen. Sie ist für Menschen, die eine klassische Uhr mit einer Komplikation suchen, die nicht zu kompliziert ist. Eine Mondphase ist emotional, romantisch, aber nicht so ernst wie ein ewiger Kalender.
Der asiatische Markt ist offensichtlich Zielgruppe Nummer eins – das Timing zum Mondfest und die Zusammenarbeit mit Jay Chou machen das deutlich. Aber auch in Europa gibt es eine Nachfrage nach bezahlbaren Mondphase-Uhren.
Der Preis: 2.630 Euro
Das ist fair. Eine TAG Heuer Carrera Moonphase kostet das Doppelte. Eine Longines Master Collection Moonphase liegt bei ähnlichen Preisen. Tudor positioniert sich hier clever im erschwinglichen Segment.
Ist es billig? Nein. Ist es angemessen für eine Tudor mit Mondphase und Chronometer-Präzision? Ja.
Was fehlt?
Leuchtmasse auf den Zeigern wäre schön gewesen – auch wenn man argumentieren kann, dass man nachts keine Mondphase ablesen muss. Die weiße Datumsscheibe beim blauen Modell passt farblich nicht perfekt – ein Detail, das stört, wenn man genau hinschaut. Und natürlich: Es ist kein Manufakturwerk. Für manche ist das ein Ausschlusskriterium. Für andere spielt es keine Rolle.
Mein Fazit
Die Tudor 1926 Luna ist eine Überraschung. Nicht weil sie spektakulär ist, sondern weil sie zeigt, dass Tudor auch abseits der Black Bay erfolgreich sein kann. Die erste Mondphase der Marke in einer klassischen, tragbaren Größe zu einem fairen Preis.
Ist sie für jeden? Nein. Ist sie für Leute, die eine solide Mondphase-Uhr ohne Rolex-Preisschild wollen? Definitiv.
Die Luna ist Tudors Angebot für Menschen, die nicht tauchen wollen, aber trotzdem Tudor am Handgelenk haben möchten. Das ist legitim.
Manchmal ist eine Mondphase alles, was man braucht. Die Tudor 1926 Luna liefert genau das.
