Die erste Ausgabe
Heute, am 10. Oktober 2025, passiert etwas, das längst überfällig war: Der erste World Watch Day. Ein globaler Tag, der der Uhrmacherei gewidmet ist. Angekündigt wurde er im April bei Watches & Wonders in Genf. Jetzt ist es soweit.
10/10 – das Datum ist kein Zufall. Es spiegelt die 10:10 Uhr-Position wider, die auf praktisch jedem Uhren-Werbefoto zu sehen ist. Diese Position rahmt das Logo perfekt ein, lässt Komplikationen sichtbar und sieht aus wie ein Lächeln. Seit den 1950er Jahren ist es die Standard-Position. Jetzt wird daraus ein Feiertag.
Warum es das noch nicht gab
Uhrmacherei ist seit 2020 UNESCO Immaterielles Kulturerbe. Die Franco-Schweizer Jura-Region bewahrt jahrhundertealte Handwerkstechniken. Es gibt die GPHG, Watches & Wonders, Baselworld war einmal groß. Aber einen universellen Tag für Uhrmacherei? Gab es nicht.
Raymond Loretan, Präsident der GPHG Foundation, sagte es treffend: „Es ist ziemlich bemerkenswert, dass es bis jetzt keinen universellen Tag gab, der der Uhrmacherei gewidmet ist.“ Jetzt gibt es ihn.
Die zwölfte Kunst
Die offizielle Ankündigung spricht von Uhrmacherei als „der zwölften Kunst“. Das ist eine Ansage. Architektur, Kino, Mode – etablierte Künste. Uhrmacherei reiht sich ein. Die Mischung aus technischer Präzision und künstlerischem Ausdruck rechtfertigt das. Ob man das so sieht oder nicht – die Anerkennung ist da.
Wer dahinter steht
Eine Non-Profit-Organisation koordiniert den World Watch Day. Die Gründungsmitglieder sind schwer: Fondation de la Haute Horlogerie, Foundation of the GPHG, Watch Library Foundation, Horopedia Foundation, Horological Society of New York, Europa Star, Le Figaro, Hantang Culture, Arc Horloger. Das ist nicht irgendeine Initiative. Das sind die Institutionen, die Uhrmacherei definieren und prägen.
Was morgen passiert
24 Stunden Online-Streaming, der Sonne folgend von Ost nach West. Medien, Sammlerclubs, Content Creator weltweit machen mit. Der Hashtag #worldwatchday wird die sozialen Medien füllen.
Aber es gibt auch physische Events. Das Espace Horloger in der Schweiz veranstaltet am 10. und 11. Oktober Veranstaltungen mit Audemars Piguet, Blancpain, Breguet und Jaeger-LeCoultre. Rundtischgespräche über die Rolle der Manufakturen, Demonstrationen von Uhrmacher-Lehrlingen, Begegnungen mit Restaurateuren.
Von Offenbach über Genf bis New York – überall wird gefeiert.
Was das bedeutet
Ein globaler Feiertag für Uhrmacherei ist mehr als Marketing. Es ist Anerkennung. Anerkennung für Handwerker, die ihr Leben dem Perfektionieren von Mechanik widmen. Für Sammler, die Uhren als Kunst sehen. Für Menschen, die verstehen, dass eine mechanische Uhr in einer digitalen Welt ein Statement ist. Jetzt um 10:10 Uhr – egal in welcher Zeitzone – können wir alle innehalten. Und daran denken, dass hinter jeder tickenden Sekunde Jahrhunderte von Wissen, Leidenschaft und Können stecken.
Meine Gedanken
Braucht Uhrmacherei einen eigenen Feiertag? Vielleicht nicht. Aber schadet er? Definitiv nicht. In einer Zeit, in der Smartwatches dominieren und Zeit nur noch auf Displays existiert, ist es wichtig, daran zu erinnern, dass Uhrmacherei Handwerk ist. Kunst ist. Tradition ist. Der World Watch Day wird das nicht ändern. Aber er wird sichtbar machen, was oft übersehen wird: Die Menschen, die diese Tradition am Leben halten.
Schaut auf eure Uhr. Egal ob Rolex oder Seiko, Patek oder Swatch. In diesem Moment verbindet uns alle die Faszination für Mechanik, die Zeit misst.
Happy World Watch Day. #worldwatchday
